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Einmal zum Mond und wieder zurück

Einmal zum Mond und wieder zurück

Seit 1994 gut auf Draht

Die Wolfshagener Draht- und Metallverarbeitunghat sich noch vor ihrem 20. Geburtstag ein Erneuerungsprogramm verordnet. Der Fachkräftemangel ist in dem mittelständischen Unternehmen kein Thema, der Altersdurchschnitt der Belegschaft vergleichsweise niedrig.

Vermutlich jeder hat die steingefüllten Drahtkörbe, so genannte Gabionen als Schallschutzwände, schon entlang der Autobahn gesehen. Erst kürzlich wurde an der A24 in der Nähe von Hamburg gar eine Wildbrücke daraus gebaut.

Draht – das ist die Spezialität der WDM, der Wolfshagener Draht- und Metallverarbeitung (Prignitz), die seit 20 Jahren Drähte aus verschiedenen Materialien zu den unterschiedlichsten Dingen verarbeitet. „Einmal bis zum Mond und zurück reicht die Menge bereits, die wir hier verarbeitet haben“, schätzt Geschäftsführer Ernst Hüffmeier: rund 360 000 Kilometer oder eine Milliarde Meter. Entstanden sind daraus Universal-Industriedrahtgitter, Spezialbewehrungen, Transportbehälter oder Komponenten für Hochregallager – und Hühnerkäfige, da der Ursprung des Unternehmens der ehemalige VEB Geflügelausrüster Perleberg war, bevor Hans Dedek, Geschäftsführer, diesen 1994 von der Treuhandanstalt kaufte. Stolz sind die Wolfshagener dabei auf ihre hohe Ausbildungsquote von fünf bis zehn Prozent, die sie über die Jahre ständig gehalten haben. Drei Mal wurde das Unternehmen dafür bereits von der Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet. 110 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt bei 39 Jahren. „Fachkräftemangel kennen wir nicht“, sagt Ernst Hüffmeier, „die WDM gilt als attraktiver Arbeitgeber.“ Was die Qualität der Ausbildung angehe, spiele die WDM in der Liga der „Großen“.

Gute Lobbyarbeit contra Demografie

Die demografische Entwicklung macht es üblicherweise den Unternehmen nicht leicht, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen. Bei WDM liegen regelmäßig genug Bewerbungen vor. Hüffmeier: „Wir machen gute Lobbyarbeit, etwa durch die IHK oder die Initiative Schule/Wirtschaft.“ Diese Initiative hatte die WDM bereits mit initiiert und gefördert, als noch die starken Jahrgänge von den Schulen kamen: „Damals hat niemand vom Fachkräftemangel geredet.“ Alles das bedingt, dass WDM ihre Mitarbeiter sogar in der bevölkerungsschwachen Prignitz aus maximal 50 Kilometern Einzugsgebiet rekrutieren kann. Eine faire Entlohnung macht die Arbeit bei WDM auch attraktiv. Hüffmeier: „Das Thema Mindestlohn war für uns noch nie ein Thema.“ Um sich attraktive Löhne auch dauerhaft leisten zu können, hat sich die WDM in den vergangenen Monaten ein konsequentes Erneuerungsprogramm verordnet. Hüffmeier: „Während der Boom-Phase der Bauindustrie wurden unsere Umsätze immer höher. Der Gewinn stieg effektiv, nur prozentual wurde es weniger.“ Eine Unternehmensberatung wurde für eine Potenzialanalyse ins Haus gerufen. Zunächst stellte sich das Management den Tests, später wurde die Fertigung auf ihre Potenziale untersucht. Die Erkenntnis, dass jeder Mitarbeiter nur solche Arbeiten gut ausführen kann, die seiner Persönlichkeit gerecht werden, barg zwar für einige Überraschungen. „Aber wenn man mit den Leuten redet, verstehen und akzeptieren sie es auch“, sagt Hüffmeier. „Wir haben nun ein Team, das ganz prima zusammenarbeitet.“ Neue Märkte erschließt sich WDM ebenfalls: Auch in Baumärkten sind WDM-Produkte heute erhältlich, etwa für Grundstücksbegrenzungen mit Natursteinen oder als Kräuterspirale.

FORUM / Claudia Bihler